Zinseszins – Erträge bei der Kapitalanlage optimieren

Das Wichtigste in Kürze
  • Sofern Sie sich die Zinsen auf die Kapitalsumme nicht direkt auszahlen lassen, können Sie von der weiteren Verzinsung, auch als Zinseszinsen beschrieben, profitieren.
  • Obacht: In Zeiten eines Zinstiefs können nur Aktien-Anleger vom Zinseszins profitieren. Erkundigen Sie sich daher frühzeitig, in welche Form der Geldanlage Sie investieren möchten.
  • Sie können dabei verschiedene Formen der Verzinsung und Laufzeiten auswählen. Bei einer monatlichen Reinvestition ist der Zinsenszins gegenüber der quartalsweisen- oder jährlichen Verzinsung höher.
Zinseszins Zinseszinseffekt
Entscheiden Sie sich gegen eine sofortige Auszahlung der Zinsen, werden diese in der nächsten Anlageperiode mit verzinst.

Bei zahlreichen Anlageformen erhalten Kunden Zinsen, die ein großer Teil der zu erzielenden Rendite darstellen. Dies gilt beispielsweise für Anleihen, Tagesgeld- oder Festgeldkonten. Bezüglich der Zinsen gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich einmal deren Ausschüttung und der Zuschrift auf die angelegte Kapitalsumme.

Aus Letzterem resultiert anschließend der Zinseszins, mit dem wir uns in diesem Beitrag beschäftigen möchten.

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Mit dem Extra-Konto der ING profitieren Sie von Zinsen auf Ihr Tagesgeldkonto. Nach einer Laufzeit von vier Monaten nach Kontoeröffnung wird der variable Zinssatz angepasst, sehen Sie jederzeit über Internetbanking Ihre Umsätze an.

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1. Zinsen: Ausschüttung oder Wiederanlage?

Die meisten Anleger betrachten bei einer Geldanlage zunächst den Zinssatz, der zum Beispiel auf dem Tages- oder Festgeldkonto gutgeschrieben wird. In aller Regel ist der Zins unabhängig von der Kursentwicklung oder der Wertentwicklung des Basiswertes, sondern ist in den Bedingungen festgeschrieben.

Man unterscheidet zum einen zwischen einem variablen und zum anderen einem festen Zinssatz. Darüber hinaus gibt es noch eine andere Formen der Unterscheidung bei Zinsen, nämlich danach, ob diese ausgeschüttet oder dem angelegten Kapital zugeschrieben werden.

Bei der Ausschüttung der Zinsen ist es so, dass der Anleger den – meistens jährlich – gezahlten Zinssatz als Geldgutschrift auf seinem entsprechenden Anlagekonto bzw. einem Verrechnungsskonto erhält. Wird der Zins hingegen dem Kapital zugeschrieben, wird er faktisch in der nächsten Anlageperiode mit verzinst.

Exakt daraus ergibt sich der sogenannte Zinseszinseffekt, den wir im Folgenden etwas näher beleuchten möchten.

1.1. Die Reinvestition der Zinserträge wird als Zinseszinseffekt beschrieben

Mit dem sogenannten Zinseszins werden solche Zinsen bezeichnet, die wiederum auf Grundlage zuvor gutgeschriebenen Zinsen entstehen. Der Zinseszinseffekt entsteht immer dann, wenn Zinserträge sofort reinvestiert oder auch thesauriert (wieder angelegt) werden.

Der Zinseszins hat zur Folge, dass das angelegte Kapital schneller wächst, weil die entsprechenden Zinsen und Zinseszinsen nach der Anlageperiode sofort der ursprünglich investierten Kapitalsumme zugeschrieben werden. Dabei handelt es sich beim Zinseszins um ein optimales Mittel, um Vermögen möglichst schnell und effektiv aufzubauen.

1.2. Die Funktionsweise des Zinseszins auf das Tagesgeldkonto

Die Funktionsweise des Zinseszinses ist relativ einfach. Nehmen wir zur Beschreibung einmal den Zinseszins beim Tagesgeld als Beispiel. Angenommen, Sie haben auf Ihrem Tagesgeldkonto 10.000 Euro angelegt und die Zinsgutschrift findet einmal jährlich statt. Bei einem Zinssatz von beispielsweise 4,5 Prozent, der natürlich in der aktuellen Niedrigzinsphase äußerst unrealistisch ist, hätten Sie nach einem Jahr ein Guthaben von insgesamt 10.450 Euro.

In der nächsten Zinsperiode werden dann nicht nur die ursprünglichen 10.000 Euro verzinst, sondern der ursprüngliche Kapitalbetrag nebst der zuvor erhaltenen Zinsen. Daraus resultiert, dass insgesamt 10.450 Euro verzinst werden und somit nach Ablauf der nächsten Zinsperiode nicht nur eine Gutschrift in Höhe von 450 Euro erfolgt, sondern es werden 470,25 Euro als Rendite vereinnahmt.

Der nachfolgenden Berechnung können Sie in tabellarischer Form entnehmen, wie sich die Zinsen durch den Zinseszinseffekt bei einer Anlage auf einem Tagesgeldkonto in Höhe von 10.000 Euro und einem Zinssatz von 4,5 Prozent im Laufe der Jahre entwickeln würden.

Kategorie Laufzeit und Summe
Angelegtes Kapitel
  • nach einem Jahr: 10.000 €
  • nach zwei Jahren: 10.450 €
  • nach drei Jahren: 10.920, 25 €
  • nach fünf Jahren: 11.925,19 €
  • nach zehn Jahren: 14.860,95 €
Zinsen
  • nach einem Jahr: 450 €
  • nach zwei Jahren: 470,25 €
  • nach drei Jahren: 491, 41 €
  • nach fünf Jahren: 536, 63 €
  • nach zehn Jahren: 668,74 €
Gesamtkapital
  • nach einem Jahr: 10.450 €
  • nach zwei Jahren: 10.920,25 €
  • nach drei Jahren: 11.411,66 €
  • nach fünf Jahren: 12.461,82 €
  • nach zehn Jahren: 15.529,69 €

Aufgrund des Zinseszinseffekts beträgt die jährliche Zinsgutschrift also beispielsweise im 10. Jahr bereits 668,74 Euro. Ohne den Zinseszinseffekt wären die Rendite pro Jahr nach wie vor auch nach zehn Jahren wie im ersten Jahr, nämlich bei 450 Euro. Sofern Sie diese Angaben überprüfen möchten, können Sie bei einem Online-Sparrechner die Option Zinseszins auswählen und vergleichen, inwieweit sich das vorläufige Ergebnis beim Sparrechner mit Zinseszins gegenüber dem Betrag ohne Zinseszins verhält.

Dies wirkt sich natürlich auch auf das Gesamtkapital aus. Mit Zinseszins beträgt dieses nach zehn Jahren gut 15.500 Euro, ohne Zinseszinseffekt wären es nur 14.500 Euro. Durch die Verzinsung der Zinsen hat der Anleger im Beispiel also einen Mehrertrag von rund 1.000 Euro in 10 Jahren.

1.3. Die Zinseszinsformel inklusive Rechenbeispiel verständlich erklärt

Möchten Sie bei einer Geldanlage den Zinseszins mit Ihrer Einzahlung ermitteln, so können Sie zum Beispiel die Zinseszinsformel nutzen. Es handelt sich allerdings nicht unbedingt um eine einfache Formel, sodass es deutlich leichter ist, spezielle Zinseszins-Rechner zu nutzen. In diesen Online-Rechnern ist die Zinseszins-Formel bereits integriert, sodass Sie zur Ermittlung der Zinseszinsen lediglich die folgenden Angaben machen müssen:

  • Anlagesumme
  • Zinssatz
  • Zinsintervall bzw. Zinsperiode

Auf dieser Grundlage kann dann mithilfe des Zinseszinsrechners ermittelt werden, welche Gesamtzinsen Sie für die nächsten Jahre oder eine andere Abrechnungsperiode aufgrund des Zinseszinseffekts einkalkulieren können. Des Weiteren können Sie auch unter Berücksichtigung der Inflation die zu erwartenden Zinseszinsen berechnen.

Falls Sie sich trotzdem für eine Zinseszinsformel interessieren, möchten wir Ihnen diese natürlich nicht vorenthalten. Ausgehend davon, dass die Wiederanlage bzw. Ausschüttung der Zinsen jährlich stattfindet, ist die folgende Formel zur Zinseszinsberechnung üblich:

Anfangsbetrag * (1+ Zinssatz / 100) Jahre (Potenz) = Endkapital

In der folgenden Beispielrechnung möchten wir Ihnen einmal die Anwendung dieser Zinseszinsformel verdeutlichen. Dabei gehen wir von den folgenden Werten aus:

  • Anlagesumme: 10.000 €
  • Zinssatz: 4,5 %
  • Anlagedauer: 10 Jahre

Wenn wir nun diese Zahlen in die zuvor genannte Formel einsetzen, ergibt sich daraus die folgende Berechnung:

10.000 Euro * (1 + 4,5 / 100) Potenz 10 Jahre = 15.529,69 Euro

1.4. Das Zinsintervall bestimmt das Zinswachstum

In welchem Rhythmus sich das Startkapital mit Zinsen und dem Zinseszinseffekt vermehrt beziehungsweise ein Zinseszins-Wachstum zu verzeichnen ist, hängt in erster Linie vom Zinsintervall ab. Der Zinseszins für eine jährliche Einzahlung wächst in der Summe natürlich nicht so schnell, als wenn der Zinseszins monatlich zum Tragen kommt, weil die Ausschüttung bzw. Wiederanlage der Zinsen Monat für Monat stattfindet.

Je öfter die Zinsen also dem Kapital gutgeschrieben werden und sich der Wachstumsfaktor erhöht, desto größer ist letztendlich auch der Zinseszinseffekt.

2. Bei folgenden Anlageformen kommt der Zinseszins zum Tragen

Es gibt einige Anlageformen, bei denen der Zinseszins zum Tragen kommt. Dazu zählen in erster Linie die folgenden Geldanlagen:

  • Tagesgeld
  • Festgeld
  • Sparkonto
  • Bausparen

Es sind also in erster Linie die klassischen und sicheren Anlageformen, bei denen der Zinseszinseffekt zum Tragen kommt. Dies gilt unter Umständen beim Zinseszins ebenso beim Banksparplan, falls es sich um einen klassischen Banksparplan handelt.

Der Zinseszins beim Bausparen ist ebenfalls die Regel, denn auch dort wird der jährlich gutgeschriebene Zins dem Vertrag nicht entnommen, sondern dem Kapital zugeschrieben. Zinseszins bei Aktien oder den Zinseszins bei einer Geldanlage, bei der eine andere Ertragsform als Zinsen vorherrscht, gibt es demzufolge natürlich nicht.

2.1. Tagesgeld als Anlageform

Vergleichen Sie mithilfe des Tagesgeldrechners, welcher Anbieter die für Sie besten Konditionen anbietet.

2.2. Festgeld als Anlageform

Berechnen Sie mithilfe des Festgeldvergleiches sowohl den geeigneten Anlagebetrag als auch die bestmögliche Anlagedauer, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

3. Nutzen Sie den Zinseszins – unsere Anleitung

Der  Überlegung Josephspfennig zufolge, stellt sich die philosophische Frage: Wie viel Vermögen hätte man mittlerweile angespart, sofern nicht nur Sie selber sondern auch Ihre Vorfahren sich den Zinseszinseffekt zugute gemacht hätten. Stellen Sie daher die langfristige Überlegung und entscheiden Sie sich, wie Sie schnellstmöglich vom Zinseszins profitieren können.

Nach viel Theorie möchten wir Ihnen nun kurz in Form einer Anleitung erläutern, was Sie tun müssen, damit auch Sie vom Zinseszins profitieren können:

  1. Verzinsliches Anlageprodukt mit Zinsgutschrift wählen, zum Beispiel das Festgeldkonto
  2. Geld auf das Konto einzahlen und damit die Anlage starten
  3. Vereinbaren, dass die Zinsen auf dem Konto verbleiben und kapitalisiert werden
  4. Zinseszins in der nächsten Periode automatisch dem Kapital zuschreiben lassen
  • 3.1. Zinseszins beim Kredit: Ist das vereinbar?

    baufinanzierung
    Bei der Baufinanzierung kommt es aufgrund des Zinseszinseffekts zu einer Umkehrfunktion, da die Zinsen mit der Restschuld verrechnet werden.

    Im Zusammenhang mit dem Zinseszins wird nahezu immer von einer Geldanlage oder einem Banksparplan gesprochen. Der Zinseszins mit einer Einzahlung auf ein Anlagekonto ist leicht verständlich, denn die Zinsen sind der Hauptertragsfaktor bei den meisten Geldanlagen. Doch wie verhält es sich eigentlich bei einem Kredit?

    Bei einem Darlehen gibt es zwar auch Zinsen, die bekanntlich der Kreditnehmer an den Kreditgeber zahlen muss. Eine Art Zinseszinseffekt existiert in seiner eigentlichen Form allerdings nicht, da die Zinsen den ursprünglichen Darlehensbetrag nicht fortlaufend erhöhen.

    Aber: Stattdessen werden die Zinsen in der Regel – besonders bei Immobiliendarlehen – von der Restschuld abgezogen, sodass im Prinzip eine Art Umkehrfunktion entsteht. Das bedeutet, dass die neben der Tilgung gezahlten Zinsen dazu führen, dass in der nächsten Abrechnungsperiode die (neuen) Zinsen nur noch auf die Schuld bei der Baufinanzierung beziehungsweise Restschuld berechnet werden. Hier kommt also eine Umkehrfunktion beim Zinseszins zum Tragen, die immer dann vorhanden ist, wenn eine sogenannte Tilgungsverrechnung stattfindet. Dies ist insbesondere im Bereich der Immobilienkredite der Fall, während es für gewöhnlich bei den folgenden Darlehensarten keinen für den Kreditnehmer positiven umgekehrten Zinseszinseffekt gibt:

    • Dispositionskredit
    • Ratenkredit
    • Abrufkredit
    • Rahmenkredit
  • 3.2. Zinseszins und Steuern: Was ist zu beachten?

    Im Zusammenhang mit Zinserträgen ist stets auch der steuerliche Aspekt zu beachten. Daher stellt sich die Frage, wie es sich beim Zinseszins mit den Steuern verhält?
    Grundsätzlich basieren die Zinseszinsen bekanntlich auf den Zinsen, die dem Kapital gutgeschrieben werden.

    Somit fallen die Zinseszinsen als Ertrag natürlich unter die Abgeltungssteuer, sodass eine steuerliche Belastung vorhanden ist.

  • 3.3. Zinseszins im Anbieter-Vergleich: Worauf sollten Anleger achten?

    Bei zahlreichen Geldanlagen und auch Ertragsarten gibt es immer wieder Untersuchungen und Tests, die für Anleger eine Hilfe darstellen, sich für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden. Eine Art Zinseszins-Test und demzufolge einen Zinseszins-Testsieger gibt es in der Form allerdings nicht. Ein günstiger Zinseszins oder vom besten Zinseszins ist die Rede, wenn der Anleger einen möglichst optimalen Effekt für die Geldanlage erzielt und den für sich besten Zinssatz aussucht.

    Dabei sollten Sie darauf achten, dass die Zinsen möglichst häufig dem Anfangskapital gutgeschrieben werden, denn dann ist der Zinseszinseffekt optimal. Weitere Informationen dazu finden Sie beispielsweise bei der Stiftung Warentest bzw. Finanztest oder auch auf FTD.de.

  • 3.4. Wie profitiere ich vom Zinseszins?

    Das Thema Zinseszins ist sicherlich nicht ganz einfach, sodass sich Anleger trotz vorliegender Informationen häufig die Frage stellen, wie sie eigentlich vom Zinseszins profitieren können. Am besten betrachten Sie sich dazu in unserem Beitrag das aufgeführte Rechenbeispiel. Dort können Sie nämlich erkennen, dass der jährliche Zinsbetrag immer höher wird, was ausschließlich aus dem vorhandenen Zinseszinseffekt abzuleiten ist.

    Anders ausgedrückt: Ohne Zinseszins hätten Sie am Laufzeitende weniger Kapital zur Verfügung, als es mit dem Zinseszins der Fall ist. Somit profitieren Sie schlichtweg von einer etwas besseren Gesamtrendite, wenn Sie sich für eine Anlageform entscheiden, bei der Zinseszinsen zum Tragen kommen.

Der Beitrag Zinseszins – Erträge bei der Kapitalanlage optimieren erschien zuerst auf FTD.DE.

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